Presse
17.02.2012, 11:00 Uhr | Märkische Allgemeine Zeitung/ Hermann M. Schröder
Proteste gegen lange Wege zum Großflughafen
Kreistag fordert schnellere Anbindung für den Fläming

BAD BELZIG - Berufspendler sind sauer, frühere Bahnfahrer sitzen mittlerweile wieder hinter dem Lenkrad anstatt im Regionalexpress. Fast eine Stunde mehr Zeit kostet seit einigen Wochen die Anreise aus dem Fläming nach Schönefeld über die Linie 7. Wenn die Flieger ab Juni vom neuen Airport starten, haben also unzählige Menschen in Potsdam-Mittelmark das Nachsehen. Viel Lärm und lange Wege, das sorgt nun erneut für lautstarke Proteste.

Zahlreiche Kreistagsmitglieder haben sich deshalb jetzt für eine flinke Verbindung zum Willy-Brandt-Airport ausgesprochen.

„Es ist doch geradezu grotesk, dass der Fluglärm bald bis in den Fläming kommen wird, die Menschen hier aber gleichzeitig abgekoppelt sind vom Flughafen“, wetterte der CDU-Politiker Ludwig Burkardt in der jüngsten Sitzung des Kommunalparlamentes von Potsdam-Mittelmark. Es sei schlicht gesagt eine Zumutung, dass die Bahn die schnelle Verbindung gekappt habe und das zuständige Ministerium das auch noch gutheiße, kritisierte der Christdemokrat. „Wir müssen dagegen auf die Barrikaden gehen“, rief Burkardt zu Protesten auf. Der Politiker hat auch ein Mandat für den brandenburgischen Landtag.

Anlass für die erhitzte Debatte in der Kreistagssitzung im Bad Belziger Landratsamt war ein vielbeachteter Protestbrief von Detlef Fanter aus der Fraktion FDB/BiK-BIT. Zuvor hatte ein Informationsschreiben der Verwaltung die Runde durch die Ausschüsse gemacht, worin Fachbereichsleiterin Debra Reußner mitteilen musste, dass die Interventionsbemühungen des Kreises vor allem an den Widerständen im Landesverkehrsministerium und der Bahn gescheitert seien.

Für Detlef Fanter „schlichtweg Ausdruck einer Bankrotterklärung der Brandenburger Regierung zur Anbindung des für die Region vollmundig als so wichtig eingeschätzten Flughafens“. In Wahrheit interessiere die Planer aber das berechtigte Interesse Brandenburgs am Airport in keiner Weise, erklärte Fanter. „Lediglich für die Berliner Lärmentlastung ist das Land Brandenburg von wesentlicher Bedeutung“, monierte der Volksvertreter. Damit meinte er die Verlegung der umstrittenen Flugrouten bis nach Bad Belzig, um Teile Berlins von den Fliegern zu verschonen (die MAZ berichtete).

Landrat Wolfgang Blasig (SPD) dämpfte indessen die Hoffnungen auf eine zügige Schönefeld-Anbindung von Potsdam-Mittelmark. „Im Moment ist eine gewisse Hartleibigkeit, sowohl in der Luft, als auch auf der Schiene zu beobachten“, erklärte er in der jüngsten Tagung des Kreisausschusses. Seine Parteifreundin Susanne Melior sagte hingegen, der Kreis müsse an seinen Forderungen festhalten. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass unsere Vorschläge nicht beachtet wurden.“ (Von Hermann M. Schröder)

Lückenhafte Verbindung zum Weltflughafen
Die RB 22 fährt seit dem 12. Dezember 2011 von Potsdam nach Schönefeld über den Außenring und nicht mehr über Michendorf.

Pendler aus dem Fläming im RE 7 von Dessau nach Berlin können jetzt nicht mehr in Michendorf in die RB 22 umsteigen. Wegen der Bauarbeiten endet der RE 7 zudem in Berlin-Wannsee.

Die Fahrt von Bad Belzig nach Schönefeld dauert jetzt mit Umsteigen in die S-Bahn und den RE 9 rund 115 Minuten, später nach einmal Umsteigen am Hauptbahnhof in den RE 9 rund 100 Minuten.

Teltow, Kleinmachnow, Stahnsdorf sind abgehängt. Die geplante Buslinie 600 wird keine Expresslinie. Die Bahn lehnt einen Halt in Teltow ab.

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