TELTOW - Mit zehn Besuchern fing 2002 das traditionelle japanische Kirschblütenfest Hanami an. Ein Tisch, ein paar Stühle und ein Grill, mehr war nicht. Bei der mittlerweile zehnten Auflage wird an der Stadtgrenze Teltows zu Berlin in ganz anderen Dimensionen gefeiert. Verlässliche Zahlen gab es vom Veranstalter nicht, die Vorjahreszahl von 6 000 Gästen dürfte am gestrigen Sonntag aber erreicht worden sein.
Ursprung der Beziehungen zwischen Teltow und Japan war eine Pflanzaktion des Fernsehsenders Asahi TV Group, der 1989 an der Glienicker Brücke, am Pariser Platz in Berlin-Mitte und auf dem ehemaligen Teltower Grenzstreifen zwischen Seehof und Sigridshorst 10 000 Bäume pflanzen ließ.
Am frühen Sonntagnachmittag sind auf der Sigridshorster Bühne gedämpfte, melancholische Klänge des Chors der Berliner Liedertafel zu hören. Sie sind der Vorgeschmack auf das mittlerweile zehnte Hanami, das ganz im Zeichen der Solidarität mit den Japanern steht. Genauer gesagt mit einem Waisenhaus in der stark vom Tsunami betroffenen Millionenstadt Sendai. „Diese Solidarität von 1989 ist keine Einbahnstraße“, erinnerte die CDU-Landes-Chefin Saskia Ludwig an die edle Spende zum Fall der Mauer und an die vom Erdbeben verursachte Katastrophe vom März in Japan. Alle am gestrigen Sonntag gesammelten Spenden kommen der Kindereinrichtung zugute, denn das Waisenhaus braucht dringend einen Erweiterungsbau und eine Begegnungsstätte. Dort sollen Waisen an Pflegeeltern vermittelt werden, die ihre Kinder bei der Naturkatastrophe verloren haben.
Nach dem Erdbeben am 11. März und dessen Folgen für Mensch und Natur war lange unklar, ob das Blütenfest in diesem Jahr überhaupt stattfinden könnte. „Bei unseren japanischen Partnern stießen solche Gedanken auf absolutes Unverständnis. Wieso wir denn nicht feiern sollten, wunderten sie sich“, sagt Carola Fanter (Bürgerinitiative Teltow) als Mitorganisatorin. Nach dem Gespräch war das diesjährige Fest fix, allerdings mit verändertem Inhalt: Lebensmut erhalten, Gespräche erhalten, Spenden sammeln – so beschreibt Fanter das Festmotto. „Sachen, die auf Action und Bambule aus sind, haben wir diesmal weggelassen“, erklärt sie. Dazu gehören etwa das Kirschkern-Zielspucken, aber auch Darbietungen wie Rock'n' Roll-Musik oder Karnevalstänze.
Reduziert auf das Wesentliche haben sich auch bereits die vielen Zierkirschbäume entlang des ehemaligen Grenzstreifens. Ihre Blüte – „Sakura“ genannt – war bereits vor einigen Wochen abgeschlossen. Die Veranstalter hätten, wie es die Tradition verlangt, gern eher gefeiert, doch das Osterfest machte den Veranstaltern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Es fiel genau auf das letzte Wochenende vor dem 1. Mai, das seit jeher für das Hanami vorgesehen ist.
Der guten Stimmung unter den vielen Tausend Besuchern zwischen Seehof und Sigridshorst tat dies jedoch keinen Abbruch. Die Anwohner scheinen ihnen übrigens gewogen zu sein: Wie schon vor zehn Jahren spendeten sie dem Kirschblütenfest Strom und Wasser.




